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Frauenstudium - Frauenforschung - Universitätsgeschichte
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Marianne Koerner

Auf fremdem Terrain.

Studien- und Alltagserfahrungen von Studentinnen 1900 - 1918.

Auf fremden Terrain bewegten sich zu Beginn des Jahrhunderts die ersten Studentinnen an deutschen Universitäten, die bis dahin ausschließlich Männern vorbehalten waren. Die Studie Marianne Koerners folgt den Spuren dieser Pionierinnen der Hochschulbildung und vermittelt damit ein wichtiges Stück Emanzipationsgeschichte.

Man schrieb bereits das Jahr 1900, als im Deutschen Kaiserreich erstmals Frauen zum Universitätsstudium zugelassen wurden. Auch wenn sich 18 Jahre später das Bild in den Hörsälen verändert hatte, blieben die Studentinnen eine marginalisierte Minderheit. Sie hatten bis zum bestandenen Examen zahlreiche Barrieren zu überwinden und Ausgrenzungen zu ertragen. Wie sich diese Bedingungen auf den Studienalltag von Frauen auswirkten, untersucht Marianne Koerner für alle Universitäten und Fachrichtungen der damaligen Zeit.

Im Mittelpunkt der Studie stehen vor allem die politischen und kulturellen Aktivitäten der verschiedenen Studentinnenvereine, die entscheidenden Anteil an der Bewältigung von Diskriminierungen hatten.

Die Auswertung bisher unbekannter Quellen und die der Zeitschrift 'Die Studentin' bilden die Basis einer anschaulichen, detaillierten und gut lesbaren Schilderung der Lebens- und Arbeitserfahrungen der Studentinnen der (Ur-) Großmüttergeneration.

Nicht zuletzt macht die Autorin deutlich, wie wichtig die Durchsetzung des Frauenstudiums für die Emanzipation und die politische Beteiligung der Frauen an der Gesellschaft war.

Marianne Koerner schließt mit ihrer Studie eine Forschungslücke zur Geschichte des Frauenstudiums in Deutschland und trägt ein wichtiges Stück Universitätsgeschichte nach, die bisher kaum etwas von klugen, bildungshungrigen Frauen zu erzählen wußte.

 
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  Marianne Koerner
Auf fremdem Terrain. Studien und Alltagserfahrungen von Studentinnen 1900-1918.

Didot-Verlag, Bonn 1997. Ca. 500 Seiten mit 12 Abb., 24 € (zzgl. Verpackungspauschale).

ISBN 3-9804014-7-2
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Ricarda Berg
 
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  Leseprobe:

Zwischen Gaststatus und Immatrikulation. Studierende Frauen als Fremdkörper in den Universitäten 1900 bis 1908 - Zusammenfassung [1]

In dem Zeitraum 1900 bis 1908 gelang es in fast allen deutschen Ländern (bis auf Mecklenburg, 1909), das Frauenstudium durchzusetzen. Aus Gasthörerinnen waren Vollimmatrikulierte geworden, d.h. wenn sie das Abitur nachweisen konnten.

Die Universität, ausgerichtet an männlichen Studierenden, nahm die weiblichen widerstrebend auf. Die Erfahrung der studierenden Frauen in dieser Männerinstitution war von einer grundsätzlichen Fremdheit geprägt. Werte und Normvorstellungen sowie Denk- und Handlungsweisen stellten sich für sie als andere dar. Gesellschaftlich hergestellte Geschlechtsunterschiede ließ Männer und Frauen gegensätzliche Werte verkörpern. Ein Umgang an der Ausbildungsstätte Universität war nicht erlernt, ein aufeinander bezogenes Verhaltensmuster beider Geschlechter fehlte. Es kam zu Verhaltensverunsicherungen, die sich erst im Laufe der Zeit zu lösen begannen.

Da es keine Verhaltensmuster für Frauen an den Universitäten gab, löste deren Anwesenheit bei allen beteiligten Gruppen Verhaltensunsicherheit aus, die unterschiedlich bewältigt wurde.
Während es den Dozenten möglich war, gegenüber den studierenden Frauen eine Vaterrolle einzunehmen, war es für die männlichen Studierenden schwierig, ein adäquates Verhalten zu finden. Aus Angst und Abwehr reagierten sie zunächst mit Diffamierungen und dem Ausschluß von Frauen aus ihren Bereichen.

Die Gruppe studierender Frauen, die heterogen zusammengesetzt war, bestand größtenteils aus erwachsenen Lehrerinnen zwischen 25 und 45 Jahren. Allmählich kamen junge Abiturientinnen hinzu. Hatten sich die Lehrerinnen noch vereinzelt gefühlt und individuell verhalten, da sie die Fremdheit der sie umgebenden männlich orientierten Institution Universität nicht zu durchbrechen vermochten, gelang es in den Jahren zwischen 1904 und 1908 durch die Bildung von losen Zusammenschlüssen und Vereinen dies zu verändern. Die studierenden Frauen schufen sich eine Gemeinschaft, in der sie gleichzeitig mehrere Aufgaben angingen: a) sie lernten im Verein demokratische Regeln und freies Sprechen, b) sie bildeten sich weiter, in dem sie Vorträge zu unterschiedlichen wissenschaftlichen und frauenpolitischen Themen organisierten und darüber diskutierten, c) sie pflegten die bürgerlich kulturelle Praxis mit Musik- und Theateraufführungen, Konversationskreisen, d) sie veranstalteten jahreszeitliche Feste, e) sie unternahmen Freizeitaktivitäten, Ausflüge und trieben Sport, f) sie orientierten sich in verschiedenen Bereichen der Universität und knüpften Kontakte zu Professoren und Studentengruppen sowie g) nahmen Kontakte zur örtlichen Frauenbewegung auf, arbeiteten zusammen, stellten bildungspolitische Forderungen auf und organisierten gemeinsame Veranstaltungen.

Die diversen Aktivitäten waren zunächst noch stärker auf das interne Vereinsleben bezogen. Durch diese Konzentration fehlte die Beschäftigung mit anderen Teilen des Universitätslebens, aus dem sie ohnehin noch ausgeschlossen waren.

Als 1906 Freistudenten die studierenden Frauen aufforderten, aus ihren Vereinen aus- und zu ihnen überzutreten, löste das eine heftige Debatte um die generelle Orientierung der studierenden Frauen und ihrer Vereine aus. Diese legte zum einen die bestehenden Problem- und Konfliktfelder frei und zeigte zum anderen die gewandelten Verhältnisse wie z.B. die veränderte Zusammensetzung der Gruppe studierender Frauen (mehr Abiturientinnen). Die Ideen der neuen Gruppe der Abiturientinnen nach einem entspannten, kameradschaftlichen Umgang von studierenden Männern und Frauen erwiesen sich jedoch angesichts der noch weit verbreiteten Vorurteile zum damaligen Zeitpunkt als noch unrealisierbar. Die studierenden Frauen begannen doch erst, sich in der Universität und in bürokratischen Einrichtungen zu orientieren und einzumischen.

Ihre Vereine erkannten, daß zur Beendigung der örtlich zwar ein wenig differierenden, Ausgrenzungserfahrungen von Frauen nicht mehr vereinzelt oder nur örtlich angegangen werden konnten. So schlossen sich im Sommer 1906 zunächst sechs Vereine zum Verband der Studentinnenvereine Deutschlands (VSTD) zusammen, um in Abstimmung gemeinsamer Interessen ihre Ziele effektiver und reichsweit zu vertreten. Die Probleme und Konflikte, die sich in den ersten Jahren zwischen 1900 und 1908 ereigneten, dürfen nicht unterschätzt werden. Waren die bürokratischen Hürden (Zulassung und Prüfungen) zwar genommen, türmten sich andere auf. Die ideologischen Vorurteile, wie die, die wissenschaftliche Fähigkeiten von Frauen zu bezweifeln, waren Anlaß, Frauen zu diskriminieren.

Die Partizipation ging keineswegs geradlinig vonstatten, sondern zeitgleich mit unterschiedlichem Tempo in verschiedenen Bereichen und in Abstufungen. Sie reichten vom völligen Ausschluß bis zur geduldeten Teilnahme.

Als 1908 endlich das Vollstudium für alle Frauen mit Abitur durchgesetzt war, begann die zweite Stufe der Auseinandersetzungen um Partizipation von Frauen an der Universität. Sie entwickelte sich entlang der schon angedeuteten Hochschulbereiche wie z.B. des studentischen Vereinslebens und des Astas, was im IV. Kapitel zu zeigen sein wird.

[1] Koerner, Marianne: Auf fremden Terrain. Studien- und Alltagserfahrungen von Studentinnen 1900 bis 1918, Bonn 1997, Kapitel III, 8. Zusammenfassung, S. 167 -168.

 
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Inhaltsverzeichnis:
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Auf fremden Terrain.
Studien- und Alltagserfahrungen von Studentinnen 1900 bis 1918.
[Auszug aus dem Inhaltsverzeichnis]

Kapitel I
Einleitung

      1. Zum Thema
      2. Zur Fragestellung
      3. Zum Forschungsstand
      4. Theoretische Vorüberlegungen
      5. Entfaltung eines Theoriekonzepts
      6. Quellen
      7. Vorgehensweise

Kapitel II
Das Deutsche Kaiserreich in seinen grundlegenden Rahmenbedingungen für das Frauenstudium und erste Entwicklungen bis 1900

      1. Wirtschaftliche Grundlagen
      2. Verharrungsstrukturen und Wandel der Universitäten
      3. Der Wandel des Bürgertums, Geschlechterideologie und Geschlechterrealität
      4. Das Mädchenschulsystem
      5. Die bürgerliche Frauenbewegung als Bildungsbewegung
      6. Der Kampf um das Frauenstudium
      7. Zusammenfassung

Kapitel III
Zwischen Gaststatus und Immatrikulation. Erste studierende Frauen als Fremdkörper in den Universitäten 1900-1908

      1. Voraussetzungen und notwendige Differenzierungen
      2. Daten der studierenden Frauen 1900 bis 1908
      3. Lebensgrundlagen und universitäre Wirklichkeiten erster studierender Frauen 1900 bis 1908
      4. Konflikte um formale Zulassung erster studierender Frauen 1900 bis 1908
      5. Gruppen- und Vereinsbildung erster studierender Frauen 1900 bis 1908
      6. Verhaltensweisen von studierenden Frauen 1906 bis 1908 in der Kritik
      7. Verband der Studentinnenvereine Deutschlands (VSTD)
      8. Zusammenfassung

Kapitel IV
Zwischen Marginalisierung und Anpassung. Partizipationsversuche von Studentinnen und ihrer Vereine von 1908 bis 1914

      1. Einleitung
      2. Die preußische Mädchenschulreform von 1908
      3. Der 'Vierte Weg' zur Universität
      4. Daten der Studentinnen von 1908 bis 1914
      5. Stufen der Entwicklung der Studentinnenvereine und des Verbandes von 1908 bis 1914
      6. Versuchte Beteiligung der Studentinnen und ihrer Vereine am formalen und geselligen Universitätsleben 1912 bis 1914
      7. Verhaltensweisen, Kultur- und Partizipationsformen von Studentinnen in Analyse und Deutung
      8. Soziale und wirtschaftliche Verhältnisse der Studentinnen in der Vorkriegszeit
      9. Zusammenfassung

EXKURS
Studentinnen und die Wandervogelbewegung

      1. Einleitung
      2. Strömungen der Wandervogelbewegung und ihr Frauenbild
      3. Mädchenwandergruppen
      4. Die weibliche Wandervogelbewegung und die Studentinnen
      5. Zusammenfassung

Kapitel V
Zwischen Helfen und Studieren. Studentinnen im Ersten Weltkrieg

      1. Einleitung
      2. Universitäten während des Kriegszustandes
      3. Daten der Studentinnen zwischen 1914 und 1918
      4. Hilfstätigkeiten von Studentinnen und Vereins- und Verbandstätigkeiten 1914 bis 1916
      5. Arbeit der Studentinnen in der studentischen Mitverwaltung (Asta) und Schwierigkeiten von 1914 bis 1918
      6. Wirtschaftliche und soziale Notlagen der Studierenden während der Kriegszeit
      7. Äußere und innere Anfechtungen für Studentinnen und ihre Vereine im Jahr 1917
      8. Frauenerwerbsarbeit für den Krieg 1914 bis 1918
      9. Umorientierungen der Studentinnen und ihrer Vereine im letzten Kriegsjahr 1918
      10. Zusammenfassung
      11. Ausblick: Studentinnen in der Weimarer Republik

Kapitel VI
Schlußfolgerungen

      1. Ausgangsfragestellung
      2. Ergebnisse der einzelnen Kapitel
      3. Ergebnisse der Kategorien
      4. Schlußfolgerungen
      5. Gegenwartsrelevanz
 
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Rezensionen:
Auf fremden Terrain
Brigitte
Sachbuchtipp: Auf fremden Terrain vom 1. Oktober 1998.
"Eine anspruchsvolle Lektüre für alle, die keine Scheu vor wissenschaftlichen Texten zu relevanten Frauenthemen haben."
 
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Leben und Werk der Mathematikerin Emmy Noether (1882 - 1935)
  Dokumentation zur Ausstellung (1997)
 
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Süddeutsche Zeitung - 29.02.2000, S. 16
  Armin Himmelrath: Damenbesuch im Hörsaal.
Vor hundert Jahren wurde die erste Frau an einer deutschen Universität zum Studium zugelassen.
     
Süddeutsche Zeitung - 01.03.2000, S. 18
  Katja Schneider: Bare Niedertracht.
Ein Stück Uni-Geschichte: die ersten Frauen beim Studium.
 
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© Ricarda Berg, erstellt: Mai 1999, letzte Änderung: 01.06.2004
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